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Der historische Blick auf Bildung im Kanton Uri

Schulzimmer in Unterschächen, März 1954 (Fotoarchiv Aschwanden, Staatsarchiv Uri)
Der Schulalltag in Unterschächen im März 1954. (Bild: Fotoarchiv Aschwanden, Staatsarchiv Uri)

Die Publikation «Geschichte und Geschichten der Bildung im Kanton Uri» illustriert und dokumentiert, wie sich das Schulwesen im Kanton Uri entwickelt hat.

Die neu erschienene Publikation «Geschichte und Geschichten der Bildung im Kanton Uri» widmet sich dem Urner Bildungswesen. Sie entstand im Rahmen des Forschungsprojekts «Bildung in Zahlen» des Instituts für Erziehungswissenschaft der Universität Zürich. Das  Staatsarchiv Uri steuerte dazu Artikel und Bilder bei. Die Bildungs- und Kulturdirektion unterstützte das Projekt finanziell und fungierte als Co-Herausgeberin. Die Gestaltung übernahmen zwei Mediamatik-Lernende der Kantonsverwaltung.

Wenig reglementierte Anfänge

Die Anfänge des Schulwesens im Kanton Uri waren wie überall in der Schweiz wenig reglementiert. Meistens ging die Initiative zur Führung einer Schule von kirchlichen Institutionen aus. Die erste Schulordnung stammt aus dem Jahr 1579 und verfolgte als oberstes Ziel, den Schülerinnen und Schülern das Schreiben beizubringen.

Im Anschluss an die Bundesverfassung von 1848 erliess der Urner Regierungsrat 1875 eine erste kantonale Schulordnung. Eine Volksschule gab es in Uri zwar bereits lange vorher, nur besuchten die Kinder diese oft nicht regelmässig. Ausserdem konzentrierte sich die Schulzeit zunächst vor allem auf die Wintermonate, da die Kinder in der warmen Jahreszeit als Arbeitskräfte gebraucht wurden. Bis auf die Kantonsschule in Altdorf waren alle Schulen lange Zeit von den Gemeinden oder privat getragen. Dies gilt auch für die Fortbildungsschulen mit berufsbildendem Charakter.

Einfluss der Kirche

Ein Kernelement der alten Urner Schulpolitik bildete das christliche Bildungs- und Erziehungsideal. Besonderen Einfluss auf das Bildungswesen hatten die Ordensgemeinschaften von Ingenbohl und Menzingen, die Lehrschwestern in beinahe alle Urner Gemeindeschulen und auch in die Kindergärten entsandten. Für die gymnasiale Bildung setzen sich die Benediktinermönche aus Mariastein, die Patres des Mariannhiller-Missionsordens und die Marianisten ein, die allesamt in Altdorf wirkten. Die enge Zusammenarbeit von Kirche und Staat im Schulwesen blieb bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bestehen.

Wirtschaft und Armee als Motor

Neben den kirchlichen Institutionen beeinflussten Wirtschaft und Armee die Entwicklung der Bildungslandschaft. Noch im 19. Jahrhundert war die Landwirtschaft der bedeutendste Wirtschaftszweig. Der Ausbau der Gotthardstrasse in den 1820er-Jahren und der Bau der Gotthardbahn zwischen 1872 und 1882 brachten viele zusätzliche Menschen in den Kanton. Dies führte vorerst zu überfüllten Klassenzimmern, aber auch zur Entwicklung einer beruflichen Ausbildung. Es entstanden gewerbliche Fortbildungsschulen; sie hoben die Qualität der Berufsbildung auf ein höheres Niveau.

Die neuen effizienten Verkehrswege führten zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, der auch das Bildungswesen positiv beeinflusste. So eröffnete die Gotthardbahngesellschaft noch vor der Jahrhundertwende auf beiden Seiten des Gotthardtunnels eine Sekundarschule, auf der Nordseite in Erstfeld. Zwischen 1902 und 1975 führte die Armee in Andermatt die ganzjährig geführte «Schule für Angehörige der Beamten und Angestellten der Gotthardverwaltung». Die Industrie, die sich im 20. Jahrhundert in Uri ansiedelte – so zum Beispiel die 1896 gegründete Munitionsfabrik (heute Ruag) – lieferte ebenfalls wichtige Impulse, besonders für die Berufsbildung.

Institutionelle Veränderungen in der Steuerung

Im Kanton Uri organisierte und beaufsichtigte der Erziehungsrat das Schulwesen. Der Rat bestand als zweite Exekutivbehörde neben dem Regierungsrat und agierte weitgehend selbstständig. Mit der Reform der Kantonsverfassung im Jahr 1968 wurde die Erziehungsdirektion geschaffen (seit dem Jahr 2000: Bildungs- und Kulturdirektion). Die neue Schulordnung von 1971 übertrug die Oberaufsicht über das gesamte Schul- und Erziehungswesen sodann dem Regierungsrat; der Erziehungsrat besteht als zuständige Behörde jedoch weiterhin.

Die Publikation «Geschichte und Geschichten der Bildung im Kanton Uri» liegt online oder in gedruckter Form vor. Das Buch kann im Buchhandel erworben werden. (pd)

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